Was ist „Motivierende Gesprächsführung“?

In vielen Berufsfeldern ist es entscheidend, Mitwirkungsbereitschaft auch bei „schwierigen KlientInnen/PatientInnen“ und „heiklen Themen“ zu wecken und nachhaltige Verhaltensänderungen zu bewirken. Für diese Zielsetzung stellt die von William Miller (USA) und Stephen Rollnick (Wales) entwickelte “Motivierende Gesprächsführung” (“Motivational Interviewing”, im Folgenden abgekürzt als "MI") den maßgeschneiderten, weltweit führenden Ansatz der Gesprächsführung dar. 

Im Motivational Interviewing wird ein partnerschaftlicher, nicht-bevormundender, dialogischer, ziel- und veränderungsorientierter Austausch auf gleicher Augenhöhe („inter-view“) angestrebt (Sinnbild: ein gemeinsamer Tanz) und durch eine Kombination bekannter und neuer Methoden umgesetzt.

 

Motivational Interviewing kann als alleiniger Interventionsansatz oder zusammen mit anderen berufsfeldtypen Maßnahmen angewandt werden.



MI-Schulungen

Im Mittelpunkt unserer Schulungsangebote in Motivierender Gesprächsführung stehen die Vermittlung der MI-Grundhaltung und das praktische Erlernen der MI-Methoden, so dass diese versiert im eigenen Arbeitsalltag – auch und gerade bei „schwierigen Fällen“ – umgesetzt werden können.

 

Wir bieten MI-Schulungsangebote unterschiedlichen Umfangs an:

 

Im 3-tägigen MI-Grundkurs (MI-1) vermitteln wir die Grundhaltung des MI und die Basisfertigkeiten (Methoden) einer an MI ausgerichteten Gesprächsführung. Die Inhalte sind:

  • Einführung in Theorie, Menschenbild/ Grundhaltung („spirit“), Komponenten, Wirksamkeit und Anwendungsfelder des MI
  • Typische Gesprächsfallen und besondere Herausforderungen bei „schwierigen“ KlientInnen/ PatientInnen
  • Übungen zum Erlernen grundlegender MI-Methoden (Aktives Zuhören, Umgang mit Widerstand, Aufbau von Änderungsbereitschaft [„change talk“] etc.)

Zur Aneignung der vertiefenden MI-Methoden, zur Anpassung der MI-Methoden an die jeweilige Gesprächsphase und zur fallorientierten Umsetzung von MI können zwei je 3-tägige Aufbaukurse (MI-2 und MI-3) belegt werden.

 

 Die Inhalte des Aufbaukurses MI-2 sind:

  • Umsetzung der MI-Basismethoden im Arbeitsalltag
  • Übungen zum Erlernen vertiefender MI-Methoden (Förderung von Änderungszuversicht [„confidence talk“], MI-konforme Weitergabe von Informationen [„Elicit-Provide-Elicit“] etc.)
  •  Gesprächsführung entlang der zentralen Phasen von Änderungsprozessen (engaging, focusing, evoking, planning)
  • Kombinierte Anwendung der Methoden aus MI-1 und MI-2

Im Aufbaukurs MI-3 stehen die folgende Inhalte im Mittelpunkt:

  • MI-konforme Durchführung längerer Gesprächssequenzen
  •  „Agenda Setting“ zur Gesprächsstrukturierung bei komplexen Problemlagen
  • Analyse selbst gewählter und vorgegebener Fälle
  •  Einschätzung und Optimierung der MI-Umsetzungsqualität anhand von MI-Kodiersystemen („MISC“ und „MITI“)

Die Kurse MI-1, MI-2 und MI-3 bauen aufeinander auf. Die Teilnahme an allen drei Seminaren (MI-1, MI-2 und MI-3 = 9 Tage) entspricht einer vollständigen MI-Ausbildung und wird durch ein MI-Ausbildungszertifikat bescheinigt.


MI-Coaching

Kleinteams und Einzelpersonen bieten wir MI-Coaching an, um die Anwendung von MI arbeitsfeldtypisch zu reflektieren und an institutionelle Rahmenbedingungen anzupassen. Das MI-Coaching bietet somit die Möglichkeit, Sie in Ihrem Praxisalltag und der Umsetzung von MI zu begleiten, schwierige Gesprächssituationen und Fälle aus der MI-Perspektive gemeinsam zu analysieren und so Ihre MI-Kompetenzen auszubauen. Für gewöhnlich findet ein MI-Coaching-Termin in einer Kleingruppe von 2-4 Personen statt. Termine und Kosten können individuell mit uns vereinbart werden.


Unsere Veröffentlichungen zu Motivierender Gesprächsführung

Körkel, J. (2012a). 30 Jahre Motivational Interviewing: Eine Übersicht und Standortbestimmung. Suchttherapie, 13, 108–118.

 

Körkel, J. (2012b). „Motivational Interviewing meets Behavioral Self-Control Training“: Konsumreduktionsprogramme in der Praxis. Suchttherapie, 13, 126-131.

 

Körkel, J. (2010). Motivational Interviewing bei Doppeldiagnose-Patienten. In Sadowski, H. & Niestrat, F. (Hrsg.), Psychose und Sucht. Behandlung und Rehabilitation (S. 108 – 123). Bonn: Psychiatrie-Verlag.

 

Körkel, J. (2009). Replik zum Leserbrief von Reymann „Motivational Interviewing: Ethische Betrachtungen“. Suchttherapie, 10, 37-38.

 

Körkel, J. (2008). Motivational Interviewing: Ethische Betrachtungen. Suchttherapie, 9, 181-184.

 

Körkel, J. & Veltrup, C. (2003). Motivational Interviewing: Eine Übersicht. Suchttherapie, 4, 115-124.

 

Körkel, J. & Drinkmann, A. (2002). Wie motiviert man “unmotivierte” Klienten? Sozialmagazin, 27, 26-34.