Kontrolliertes Trinken

Viele Menschen sind für ein gänzlich alkoholfreies Leben nicht zu gewinnen – weil sie eine Karriere des Scheiterns mit Abstinenzbehandlungen hinter sich haben, mit Abstinenz überfordert sind oder diese nicht ihren Lebensvorstellungen entspricht. Für diese Menschen stellt Kontrolliertes Trinken eine Alternative dar. 

Was ist Kontrolliertes Trinken?

„Selbstkontrolliertes Trinken“ – kurz „Kontrolliertes Trinken“ – bedeutet, dass jemand seinen Alkoholkonsum an eigenen Regeln bzw. einem Plan ausrichtet. Dazu gehören vor allem Regeln zur Begrenzung der Alkoholmenge (Maximalkonsum pro Tag und Woche sowie Anzahl alkoholfreier Tage), aber auch Regeln in Bezug auf Uhrzeit, Ort, Umgebung und anwesende Personen beim Alkoholtrinken. Menschen, die selbstkontrolliert Alkohol trinken, begrenzen also die Menge des Alkohols wie auch die Konsumzeiten, -orte und -umstände.

Praktisch betrachtet, legt man beim Kontrollierten Trinken jeweils für eine Woche fest, wie viel Alkohol man maximal pro Tag und pro Woche trinken und an wie vielen Tagen man ganz darauf verzichten möchte (alkoholfreie Tage). In einem Trinktagebuch trägt man dann täglich ein, wieviel Alkohol man tatsächlich getrunken hat und überprüft nach einer Woche, wie gut die Umsetzung geklappt hat – um aus den Umsetzungserfahrungen zu lernen und danach einen neuen Plan für die Folgewoche festzulegen. Das ist der „rote Faden“ beim Kontrollierten Trinken. Weitere Inhalte beim Erlernen des Kontrollierten Trinkens finden Sie hier 


Die über 50-jährige Forschung zu Kontrolliertem trinken belegt: Behandlungen mit dem Ziel des Kontrollierten Trinkens sind mindestens so erfolgreich wie Behandlungen mit dem Ziel der Abstinenz und Alkoholabhängige profitieren davon in gleicher Weise wie Menschen mit einer geringer ausgeprägten Alkoholproblematik (vgl. Körkel, 2015)

Wege zum Kontrollierten Trinken

Das Erlernen des Kontrollierten Trinkens kann auf drei Wegen erfolgen:

  • Für Menschen, die ihren Alkoholkonsum selbstständig und ohne Fachkraft reduzieren möchten, haben wir das
    „10-Schritte-Selbstlernprogramm zum Kontrollierten Trinken“ entwickelt. Es liegt in einer
    Kurzform und einer erweiterten Fassung vor:

Kurzform:

Körkel, J. (2014). Kontrolliertes Trinken. So reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum (2. Aufl.). Stuttgart: Trias Verlag.
[Für genauere Informationen zu Inhalt und Bestellmöglichkeit klicken Sie bitte auf nebenstehende Buchansicht]

Erweiterte Fassung:

Körkel, J. (2013). 10-Schritte-Programm zum Kontrollierten Trinken. Ein Selbstlernmanual zur Alkoholtrinkmengenreduktion (2. Aufl.). Heidelberg: GK Quest Akademie.
[Für genauere Informationen zu Inhalt und Bestellmöglichkeit klicken Sie bitte auf nebenstehende Buchansicht]

  • Beim Erlernen des Kontrollierten Trinkens kann man auch durch eine Fachkraft begleitet werden, und zwar in Form einer Einzelbehandlung beim „Ambulanten Einzelprogramm zum kontrollierten Trinken – EkT“ (10 Sitzungen zu je 60 Minuten) und in Form einer Gruppenbehandlung beim „Ambulanten Gruppenprogramms zum kontrollierten Trinken – AkT“ (10 Sitzungen zu je 135 Minuten). Die Sitzungen werden von ausgebildeten Fachkräften für Kontrolliertes Trinken geleitet und erfolgen in der Regel in wöchentlichem Rhythmus. Eine Liste von Fachkräften in Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie hier.


Der Vorteil einer Einzelbehandlung liegt darin, dass ein unmittelbarer Beginn möglich ist, falls vor Ort kein Gruppenangebot zur Verfügung steht oder persönliche Gründe gegen eine Gruppenteilnahme sprechen (z.B. Schwierigkeit, die wöchentlichen Gruppentermine regelmäßig wahrzunehmen; Bedarf einer intensiveren Einzelbetreuung; Wunsch nach Anonymität). Zudem kann in einer Einzelbehandlung die Dauer dem individuellen Veränderungsverlauf angepasst werden (z.B. Ausweitung auf mehr als 10 Sitzungen). Die Behandlung in einer Gruppe hat den Vorteil, dass die Teilnehmenden voneinander lernen und sich gegenseitig aktiv und emotional unterstützen können – auch durch Gründung einer Selbsthilfegruppe nach Ende des Gruppenprogramms.

Inhalte des Kontrollierten Trinkens

Unabhängig davon, ob man sich das Kontrollierte Trinken selbstständig, in Einzel- oder in Gruppengesprächen aneignet: Stets wird man beim Kontrollierten Trinken dazu befähigt, sich die folgenden 10 Themenbereiche anzueignen und diese maßgeschneidert für die eigene Person im Alltag umzusetzen: 

  • Einbeziehung vertrauter Personen in die Neuausrichtung des eigenen Alkoholkonsums (andere „einweihen“ und ggf. um Unterstützung bitten)
  • Führen eines Trinktagebuchs, um einen Überblick über das eigene Trinkverhalten zu erlangen (ein Blanko-DIN A4-Trinktagebuch für eine Bestandsaufnahme Ihres derzeitigen Konsums finden Sie weiter unten)
  • Bilanzierung des gegenwärtigen Konsums, um den Ausgangskonsum genau zu kennen und davon ausgehend realistische Ziele für die Folgezeit ableiten zu können
  • Wochenweises Festlegen von Konsumgrenzen (Maximalkonsum pro Tag und Woche, Anzahl alkoholfreier Tage)
  • Auswahl individuell passgenauer Reduktionstrategien (z.B. „vor jedem alkoholischen ein großes nichtalkoholisches Getränk trinken“, „Alkohol erst nach Ausbildungs-/Arbeitsende“, „Alkohol erst ab 18 Uhr“, „nicht mehr als eine halbe Getränkeeinheit pro Stunde“ etc.)
  • Erkennen und Bewältigen von Risikosituationen (z.B. Zusammensein mit „trinkfreudigen“ Freunden, Enttäuschungen, Feste und Feiern etc.
  • Mit „Ausrutschern“ umgehen lernen und daraus keine Katastrophe machen
  • Aktivierung von Formen alkoholfreier/-limitierter Freizeitgestaltung
  • Erwerb von Kompetenzen zur Bewältigung von Belastungen (wie Einsamkeit, Beziehungskonflikte, depressive Stimmungszustände, Stress etc.).
  • Langfristiger Erfolg bei der Umsetzung des Kontrollierten Trinkens – oder neue Zielentscheidung (Abstinenz?)

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Schulungen für Fachkräfte

Der Fortbildungsträger GK Quest Akademie (Heidelberg) führt für Fachkräfte, die an einer Ausbildung in den Behandlungsansätzen zum Kontrollierten Trinken interessiert sind, 6-tägige Schulungen durch. Die teilnehmenden Fachkräfte erlernen die Umsetzung der Programme zum Kontrollierten Konsum im Einzel- und Gruppenkontext. Grundlage der Ausbildung und späteren Umsetzung der Programme ist ein strukturiertes Behandlungsmanual, das alle Unterlagen zur Durchführung der Einzel- und Gruppenbehandlung zum Kontrollierten Trinken enthält.

 

Ausbildung "Kontrolliertes Trinken" (GK Quest Akademie)

Unsere Veröffentlichungen zu Kontrolliertem Trinken

Veröffentlichungen anzeigen

Körkel, J. (2017a). Abstinenz und Konsumreduktion (Kontrolliertes Trinken): Forschungsstand und Implikationen für MPU und MPU-Vorbereitung. Blutalkohol, 54, Sup III, 32-33.


Körkel, J. (2016b). Vom Abstinenzdogma zum Paradigma Zieloffener Suchtarbeit. Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit, 26, 194-208.


Körkel, J. (2016a). Alkoholismusbehandlung jenseits des Abstinenzparadigmas. neuro aktuell, 30, 22-27.


Körkel, J. (2015e). Wie wollen, können und sollen wir mit Suchtkranken umgehen? Ethische Reflexionen. In S. Scharrer & P. Hirschberg (Hrsg.), Der Glaube an Gott und seine sozialen und gesellschaftspolitischen Folgen (S. 181 – 197). Berlin: LIT Verlag.


Körkel, J. (2015d). Kontrolliertes Trinken bei Alkoholkonsumstörungen: Eine systematische Übersicht. Sucht, 61, 147-174.


Körkel, J. (2015c). Ist kontrolliertes Trinken bei Alkoholabhängigen ratsam? Pro. Psychoscope, 36, 24.


Körkel, J. (2015b). Das Menschenbild als Dreh- und Angelpunkt des Umgangs mit Suchtkranken (auch) in der rechtlichen Betreuung. Betreuungsrechtliche Praxis - Zeitschrift für soziale Arbeit, gutachterliche Tätigkeit und Rechtsanwendung in der Betreuung, 24, 9-14.


Körkel, J. (2015a). Aneignung von Konsumkompetenz als Entwicklungsaufgabe des Jugendalters. Rausch, 4, 149-155.


Körkel, J. (2014e). What shall we do with the drunken elderly? Alkoholprobleme im Alter und ihre Überwindung. Zeitschrift für Gerontologie und Ethik, Heft 3, 31-53.


Körkel, J. (2014d). Wenn Abstinenz nicht, noch nicht oder nicht mehr funktioniert: Konsumreduktionsprogramme für Menschen mit Suchtproblemen. forum arbeit, Heft 3, 22-26.


Körkel, J. (2014c). Kontrolliertes Trinken. So reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum. Stuttgart: Trias.


Körkel, J. (2014b). Bei der Änderungsmotivation ansetzen. Kontrollierter Konsum als Weg und Ziel. Praxiswissen psychosozial, Heft 17, 20-23.


Körkel, J. (2014a). Alkoholtherapie: Vom starren Abstinenzdogma zu einer patientengerechten Zielbestimmung. Suchtmedizin, 16, 104 und 211-222.


Mann, K. & Körkel, J. (2013). Trinkmengenreduktion: ein ergänzendes Therapieziel bei Alkoholabhängigen? Psychopharmakotherapie, 20, 193-198.


Körkel, J. (2013c). „Darf‘s auch etwas weniger sein?“ Selbstkontrolliertes Trinken als Zieloption für ältere Menschen mit Alkoholproblemen. Geriatrie-Report, 8, 18-19.


Körkel, J. (2013b). Wahlfreiheit gewähren, Konsumreduktion ermöglichen: Kontrolliertes Trinken in der Praxis. In F. Natho (Hrsg.), Weil Entwicklung wichtig ist. Systemische Impulse für Pädagogik, Erziehung und Beratung (S. 127 – 141). Dessau: Edition Gamus.


Körkel, J. (2013a). 10-Schritte-Programm zum Kontrollierten Trinken. Ein Selbstlernmanual zur Alkoholtrinkmengenreduktion. Heidelberg: GK Quest Akademie.


Körkel, J. (2012c). „Motivational Interviewing meets Behavioral Self-Control Training“: Konsumreduktionsprogramme in der Praxis. Suchttherapie, 13, 126-131.


Körkel, J. (2012b). Wenn Alkohol das Problem ist, Abstinenz aber nicht die Lösung: Kontrolliertes Trinken als Behandlungsoption. In H. Schmidt-Semisch & H. Stöver (Hrsg.), Saufen mit Sinn? Harm Reduction und Alkoholkonsum (S. 141 – 165). Frankfurt: Fachhochschulverlag.


Körkel, J. (2012a). Wege aus der Sucht – Suchtarbeit, Abstinenz und selbstkontrollierter Konsum. In S.B. Gahleitner & G. Hahn (Hrsg.), Übergänge gestalten – Lebenskrisen begleiten (Klinische Sozialarbeit – Beiträge zur psychosozialen Praxis und Forschung 4) (S. 261 – 276). Bonn: Psychiatrie Verlag.


Körkel, J. (2010c). Kontrolliertes Trinken: Wissenschaftliche Fakten versus Mystizismen. In Wassenberg, K. & Schaller, S. (Hrsg.), Der Geist der Deutschen Mäßigkeitsbewegung. Debatten um Alkohol und Trinken in Vergangenheit und Gegenwart (Magdeburger Reihe, Band 22) (S. 166 – 179). Halle (Saale): Mitteldeutscher Verlag.


Körkel, J. (2010b). Kontrolliertes Trinken als legitimes Behandlungsziel bei alkoholbezogenen Störungen – Pro. Suchttherapie, 11, 179.


Körkel, J. (2010a). Kontrollierter Alkoholkonsum als Zieloption für alkoholauffällige Kraftfahrer. In Born, R.S., Brieler, P. & Sohn, J.-M. (Hrsg.), Beurteilungskriterien in der Fahreignungsdiagnostik. Fortschritte und Optimierungsbedarf (S. 47 – 84). Lengerich: Pabst Science Publishers.


Körkel, J. (2009). Kontrolliertes Trinken bei Personen mit alkoholbezogenen Störungen (Missbrauch, Abhängigkeit) – pro. Deutsche Medizinische Wochenschrift, 134, 2410.


Körkel, J. (2008b). Damit Alkohol nicht zur Sucht wird – kontrolliert trinken. Stuttgart: Trias


Körkel, J. (2008a). „Es tut mir gut, eine klare Grenze zu kennen“. Kontrolliertes Trinken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In M. Zobel (Hrsg.), Wenn Eltern zu viel trinken. Hilfen für Kinder und Jugendliche aus Suchtfamilien (S. 187 - 204). Bonn: Balance buch+medien verlag.


Körkel, J. & GK Quest (2007). Kontrolle im selbstbestimmten Substanzkonsum (KISS). Teilnehmerhandbuch und Trainermanual. (3. Aufl.). Heidelberg: GK Quest Akademie.


König, D., Winkler, G., Gehring, U., Körkel, J., Drinkmann, A. & Leiblein, Chr. (2007). Wohnungslosigkeit und Alkohol - Ergebnisse des Projektes WALK. In Fachverband Sucht (Hrsg.), Wirksame Therapie. Wissen-schaftlich fundierte Suchtbehandlung (Schriftenreihe des Fachverbandes Sucht e.V., Band 30) (S. 234 – 253). Geesthacht: Neuland.


König, D., Gehring, U., Körkel, J. & Drinkmann, A. (2007). Das Projekt WALK und die Ergebnisse der Begleitstudie. In Bundesverband der Betriebskrankenkassen (Hrsg.), Zieloffene Suchtarbeit mit Wohnungslosen (Gesundheitsförderung und Selbsthilfe, Band 19) (S. 99 – 118). Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW/Verlag für neue Wissenschaft.


Körkel, J. (2006a). Behavioural self-management with problem drinkers: One-year follow-up of a controlled drinking group treatment approach. Addiction Research & Theory, 14, 35-49.


König, D. & Körkel, J. (2006). Ein Plädoyer für eine zieloffene Suchtarbeit. Kontrolliertes Trinken als ergänzendes Angebot in der Suchthilfe. Forum sozialarbeit + gesundheit, Heft 3, 24-27.


Körkel, J. (2005c). Pro und Kontra: Kontrolliertes Trinken als sinnvolle und notwendige Behandlungsoption. Pro. Psychiatrische Praxis, 32, 324-325.


Körkel, J. (2005b). Kontrolliertes Trinken: Zwischen freiem Willen und biologischem Determinismus. In Fontane-Klinik Motzen (Hrsg.), Willensfreiheit - eine nützliche Illusion in der Psychotherapie … (Schriftenreihe der Fon-tane-Klinik und des Psychotherapie-Institutes Motzen, Band 9) (S. 66 – 88). Fontane-Klinik: Eigendruck.


Körkel, J. (2005a). Kontrollierter Alkoholkonsum – Risikominimierung bei Alkohol- und Drogenkonsumenten In J.-H. Heudtlass & H. Stöver (Hrsg.), Risiko mindern beim Drogengebrauch (3. Aufl.) (S. 164-188). Frankfurt: Fachhochschulverlag.


Körkel, J. (2004d). Kein Alkohol ist (zuweilen) auch keine Lösung. Kontrolliertes Trinken als Zieloption. Konturen, 25, 14-16.


Körkel, J. (2004c). Wenn Abstinenz als Therapieziel abgelehnt wird: Kontrolliertes Trinken ist eine Behandlungsoption. DNP – Der Neurologe & Psychiater, Heft 7-8, 41-43.


Körkel, J. (2004b). Kontrolliertes Trinken: Sophrosyne oder die Kunst der Mäßigung. CO’MED. Das Fachmagazin für Complementär-Medizin, Heft 3, 66-68.


Körkel, J. (2004a). Abstinenz und kontrolliertes Trinken: Sich ergänzende Ziele in der Suchtbehandlung. In J. Rink (Hrsg.), Die Suche nach der Kontrolle. Von der Abstinenzabhängigkeit zur Kontrollabhängigkeit. Beiträge zum Wandel der Zieldiskussion in der Suchtkrankenhilfe (S. 66-93). Geesthacht: Neuland.


Körkel, J. (2003b). Zehn Schritte zum Erfolg. Kontrolliertes Trinken – so funktioniert’s. Der Allgemeinarzt, 25, 1532-1535.


Körkel, J., Langguth, W., Schellberg, B. & Neu, B. (2002). Kontrolliertes Trinken als Ziel und als Weg. Zwei Fallvignetten. Suchttherapie, 3, 106-111.


Körkel, J., Schellberg, B., Haberacker, K., Langguth, W. & Neu, B. (2002). Das ”Ambulante Gruppenprogramm zum kontrollierten Trinken” (AkT). Suchttherapie, 3, 112-116.


Körkel, J. (2002f). Kontrolliertes Trinken als neue Behandlungsoption. Der Allgemeinarzt, 24, 1532-1535.


Körkel, J. (2002e). Controlled drinking as a treatment goal in Germany. Journal of Drug Issues, 32, 667-688.


Körkel, J. (2002d). Kontrolliertes Trinken: Herausforderung für das medizinische Behandlungssystem. In Fachverband Sucht (Hrsg.), Die Zukunft der Suchtbehandlung: Trends und Prognosen (Schriftenreihe des Fachverbandes Sucht e.V., Band 25) (S. 100-114). Geesthacht: Neuland.


Körkel, J. (2002c). Kontrolliertes Trinken: Neuer Behandlungsweg bei Alkoholproblemen. PNP – Neuropathien im Dialog, 7 (2), 3-4.


Körkel, J. (2002b). Kontrolliertes Trinken: Eine Übersicht. Suchttherapie, 3, 87-96.


Körkel, J. (2002a). Kontrolliertes Trinken als neue Behandlungsoption. Neurotransmitter, 13 (1), 63-68.


Drinkmann, A. & Körkel, J. (2002). Gibt es ein kontrolliertes Trinken? In Niedersächsisches Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales & Akademie für Sozialmedizin Hannover (Hrsg.), Neue Trends! Neue Drogen? Berichte zur Suchtkrankenhilfe (S. 18-22). Hannover: Niedersächsisches Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales & Akademie für Sozialmedizin Hannover


Körkel, J. & Projektgruppe kT (2001c). Teilnehmer-Handbuch für das „Ambulante Gruppenprogramm zum kontrollierten Trinken (AkT)“. Heidelberg: GK Quest Akademie (info@gk-quest.de).


Körkel, J. & Projektgruppe kT (2001b). Diagnostik-Kompendium für das “Ambulante Gruppenprogramm zum kontrollierten Trinken (AkT)”. Heidelberg: GK Quest Akademie (info@gk-quest.de).


Körkel, J. & Projektgruppe kT (2001a). Trainer-Manual für das “Ambulante Gruppenprogramm zum kontrollierten Trinken (AkT)“. Heidelberg: GK Quest Akademie (info@gk-quest.de).


Körkel, J., Langguth, W. & Schellberg, W. (2001). Jenseits des Abstinenzdogmatismus: Das “Ambulante Gruppenprogramm zum kontrollierten Trinken“ (AkT). In G. Wienberg & M. Driessen (Hrsg.), Auf dem Weg zur vergessenen Mehrheit. Innovative Konzepte für die Versorgung von Menschen mit Alkoholproblemen (S. 92-116). Bonn: Psychiatrie-Verlag.


Körkel, J. (2001h). Das 10-Schritte-Programm zur selbstständigen Reduktion des Alkoholkonsums. Heidelberg: GK Quest Akademie.


Körkel, J. (2001g). Kontrolliertes Trinken: Stand der Forschung, Folgerungen für die Praxis. In Landesstelle gegen die Suchtgefahren für Schleswig-Holstein (LSSH) (Hrsg.), Kontrolliertes Trinken oder kontrollierter Rückfall (S. 15-54). Kiel: hansadruck.


Körkel, J. (2001f). Kontrolliertes Trinken: Eine Zieloption für die Arbeit des Krankenhaussozialdienstes. Forum Krankenhaussozialarbeit, Heft 3-4, S. 6-11.


Körkel, J. (2017b). Kontrolliertes Trinken. Viele Wege führen nach Rom – oder in andere schöne Städte. Sozialpsychiatrische Informationen, 47, 18-22.


Körkel, J. (2001e). Replik zur Stellungnahme der Selbsthilfe- und Abstinenzverbände zum kontrollierten Trinken. Sucht, 47, 201-203.


Körkel, J. (2001d). Kontrolliertes Trinken: Vom Abstinenzfundamentalismus zur bedarfsgerechten Behandlungsoptimierung. Sucht aktuell, 8, 16-23.


Körkel, J. (2001c). Kontrolliertes Trinken. In R. Silbereisen & M. Reitzle (Hrsg.), Bericht über den 42. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Jena 2000 „Psychologie 2000“ (S. 618-626). Lengerich: Pabst.


Körkel, J. (2001b). „Es tut mir gut, eine klare Grenze zu kennen“. Kontrolliertes Trinken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus alkoholbelasteten Familien. In M. Zobel (Hrsg.), Wenn Eltern zu viel trinken. Risiken und Chancen für die Kinder (S. 178-194). Bonn: Psychiatrie-Verlag


Körkel, J. (2001a). Das ”Ambulante Gruppenprogramm zum kontrollierten Trinken” (AkT): Grundlagen, Programmmerkmale und erste Befunde. In Fachverband Sucht (Hrsg.), Rehabilitation Suchtkranker – mehr als Psychotherapie (Schriftenreihe des Fachverbandes Sucht e.V., Band 24) (S. 270-284). Geesthacht: Neuland.


Drinkmann, A. & Körkel, J. (2001). "Kontrolliertes Trinken" als Versorgungsauftrag für die psychotherapeutische Praxis. In: Deutsche Psychologen Akademie (Hrsg.), Psychologie am Puls der Zeit: Beiträge zum Psychologentag 2001 und 21. Kongress für Angewandte Psychologie des BDP in Bonn (S. 238-242). Bonn: Deutscher Psychologen-Verlag.


Körkel, J. (2000e). Kontrolliertes Trinken: Droht den Abstinenzverbänden Gefahr? Weggefährte, Heft 6, S. 5-8.


Körkel, J. (2000d). Kontrollierter Alkoholkonsum – Strategien der Risikominimierung. In J.-H. Heudtlass & H. Stöver (Hrsg.), Risiko mindern beim Drogengebrauch. (2. Aufl.) (S. 148-178). Frankfurt: Fachhochschulverlag.


Körkel, J. (2000c). Kontrolliertes Trinken als Weg oder Ziel: Eine Behandlungsoption für die Arztpraxis. J. Zerdick (Hrsg.), Suchtmedizin im Dialog (S. 139-156). Berlin: VWB – Verlag für Wissenschaft und Bildung.


Körkel, J. (2000b). Ambulantes Gruppenprogramm zum kontrollierten Trinken. In Deutscher Caritasverband (Hrsg.), caritas 2001. Jahrbuch des Deutschen Caritasverbandes (S. 127-132). Freiburg: Deutscher Caritasverband.


Körkel, J. (2000a). AkT: Ambulantes Gruppenprogramm zum kontrollierten Trinken. Konturen, 21, 18-22.


Körkel, J. (1999). Akzeptanz in der Arbeit mit Alkoholkonsumenten/-innen. In H. Stöver (Hrsg.), Akzeptierende Drogenarbeit. Eine Zwischenbilanz (S. 91-106). Freiburg: Lambertus.


Körkel, J. (1995). Denkstile über Sucht: Beginn eines Wandels. In Fachausschuß Soziotherapie des Wissenschaftsrates (Hrsg.), Entweder oder sowohl als auch? (S. 8-17). Hilden: Allgemeine Hospitalgesellschaft.


Körkel, J. (1993). Paradigmawechsel in der Rehabilitation von Alkohol- und Medikamenten­abhängigen. In Fachverband Sucht (Hrsg.), Ambulante und stationäre Suchttherapie. Mög­lichkeiten und Grenzen (S. 74-98). Geesthacht: Neuland.



KontrollierteS RAUCHEN

Viele Menschen sind - zumindest aktuell - nicht bereit oder nicht in der Lage, ganz auf Zigaretten oder andere Tabakprodukte zu verzichten. Für diese Menschen stellt Kontrolliertes Rauchen eine Alternative dar. 

Was ist Kontrolliertes Rauchen?

Von „Kontrolliertem Rauchen“ ist zu sprechen, wenn RaucherInnen ihren Tabakkonsum an eigenen Regeln bzw. einem Plan ausrichten. Dazu gehören vor allem Mengenfestlegungen (wieviel man maximal pro Tag und Woche rauchen möchte), aber auch Grenzen in Bezug auf Uhrzeit, Ort, Umgebung und anwesende Personen. Menschen, die selbstkontrolliert rauchen, begrenzen also die Menge der gerauchten Zigaretten (oder anderer Tabakprodukte) wie auch die Rauchzeiten, -orte und -umstände.

Praktisch betrachtet, legt man beim Kontrollierten Rauchen jeweils für eine Woche fest, wie viele Zigaretten man maximal pro Tag und pro Woche rauchen und an wie vielen Tagen man ganz darauf verzichten möchte (rauchfreie Tage). In einem Rauchtagebuch trägt man dann täglich ein, wieviel man tatsächlich geraucht hat und überprüft nach einer Woche, wie gut die Umsetzung geklappt hat – um aus den Umsetzungserfahrungen zu lernen und danach einen neuen Plan für die folgende Woche zu machen.

Auf diese Weise können auch starke Raucher, die nicht mit dem Rauchen aufhören möchten oder können, ihren Tabakkonsum deutlich und nachhaltig senken. Das belegen verschiedene Forschungsstudien (vgl. Körkel & Nanz, 2017). 

 

Das Programm „Change Your Smoking“ (CYS) wurde extra dafür entwickelt, Kontrollierten Tabakkonsum zu erlernen.


Change Your Smoking (CYS)

Change Your Smoking (CYS) ist ein zieloffenes Behandlungsprogramm zur Veränderung des Tabakkonsums. Dies bedeutet, dass sowohl eine Reduktion des Tabakkonsums, ein Rauchstopp (Abstinenz) als auch Schadensminderung (E-Zigarette) als Ziel angestrebt werden können. Zielwechsel sind jederzeit möglich. Wer also etwa mit einer Reduktion seines Tabakkonsums beginnt, wird gezielt darin unterstützt, zum Rauchstopp oder zur E-Zigarette überzugehen, falls er/sie sich dafür entscheiden sollte.

Was lernt man bei "Change Your Smoking"?

Change Your Smoking besteht aus acht thematischen Einheiten, in denen es um die folgenden Inhalte geht:

  1. Grundwissen über Tabak aneignen
  2. Gründe für und gegen eine Veränderung des Rauchens abwägen
  3. Bilanz des derzeitigen Tabakkonsums ziehen (Menge, Zeiten, Orte etc.)
  4. sich für eine Zielrichtung entscheiden (Rauchstopp, Reduktion, Schadensminderung [E-Zigarette]) und für eine Woche die Zielumsetzung planen
  5. Strategien zur Zielerreichung auswählen
  6. Risikosituationen erkennen und den Umgang damit erlernen
  7. mit Ausrutschern umgehen lernen
  8. das Erreichte festigen oder zu einem anderen Ziel wechseln.

Wie kann man sich die Inhalte von "Change Your Smoking" aneignen?

Change Your Smoking liegt in verschiedenen Durchführungsvarianten vor: einer Kurzintervention, einer Einzelbehandlungsvariante und einem Gruppenangebot. Alle Varianten können ambulant oder stationär durchgeführt werden.

Die Kurzintervention von Change Your Smoking ist für RaucherInnen gedacht, die in einem kurzen Gespräch (zwischen 45-60 Minuten) mit einer geschulten Fachkraft klären möchten, „wo sie (in Bezug auf ihren Tabakkonsum) stehen“ und die nach konkreten Hilfestellungen suchen, ihren Tabakkonsum weitgehend eigenständig (ohne Fachkraft) zu verändern. RaucherInnen, die diesen Weg beschreiten möchten, können sich Change Your Smoking in Form eines Selbsthilfemanuals aneignen.

Das Einzelangebot von Change Your Smoking richtet sich an RaucherInnen, die gemeinsam mit einer geschulten Fachkraft in Einzelgesprächen ihren Tabakkonsum verändern möchten. Das Einzelangebot besteht aus einem Vorgespräch (60 Minuten) und den 8 bereits genannten wöchentlichen thematischen Einheiten zu je 45 Minuten.

Das Gruppenangebot wendet sich an RaucherInnen, die in einer Gruppe unter Leitung einer geschulten Fachkraft ihren Tabakkonsum verändern möchten. Das Gruppenangebot besteht wie das Einzelangebot aus einem Vorgespräch (60 Minuten) und den 8 thematischen Einheiten. Im Gruppentext dauern diese jeweils 120 Minuten.


Schulungen in "Change Your Smoking"

Wir führen für Fachkräfte (z.B. SozialpädagogInnen, PsychologInnen, PsychotherapeutInnen, ÄrztInnen etc.) 3-tägige Schulungen zum Erlernen der 3 Varianten von Change Your Smoking (Kurzintervention, Einzelprogramm, Gruppenprogramm) durch.

 

Die teilnehmenden Fachkräfte erhalten ein strukturiertes Behandlungsmanual, das alle Unterlagen zur Durchführung von Change Your Smoking enthält:

  • Einen strukturierten Leitfaden zur Eingangsdiagnostik;
  • die Anleitung zur Durchführung von Change Your Smoking als Kurzintervention, Einzelbehandlung oder Gruppenbehandlung;
  • das umfangreiche Teilnehmermanual.

In der 3-tägigen Fachkräfte-Schulung werden Grundlagenwissen zu Tabak, der theoretische Hintergrund und Forschungsstand zu Rauchreduktions-, Rauchstopp- und schadensmindernden Behandlungen sowie der Inhalt und Aufbau der 8 Einheiten von Change Your Smoking vermittelt. Im Zentrum der Schulung steht das praktische Erlernen der Anwendung von Change Your Smoking als Kurzintervention, Einzelbehandlung oder Gruppenbehandlung.

 

Wir schulen auch Teams/Einrichtungen/Träger in der Umsetzung von Change Your Smoking (Termine n.V.)

 


Von Vorteil für die Fachkräfte-Schulung in Change Your Smoking ist ein vorab absolvierter Grundkurs in „Motivierender Gesprächsführung“ 


Unsere Veröffentlichungen zu Kontrolliertem Rauchen

Veröffentlichungen anzeigen

Körkel, J. & Nanz, M. (2017). „Change Your Smoking“: Ein zieloffenes Behandlungsprogramm zur Veränderung des Tabakkonsums. Rausch, 6, 43-52.


Körkel, J. (2012). Kontrollierter/reduzierter Tabakkonsum: Sinn oder Unsinn? Vortrag auf der 13. Frühjahrstagung des Wissenschaftlichen Aktionskreises Tabakentwöhnung (WAT) e.V., 14. März 2012, Frankfurt am Main.


Körkel, J. & Kröger, C.B. (2007). Tabak - Tabakpolitik - tabakbezogene Behandlung (Editorial). Suchttherapie, 8, 127 - 128.



Kontrollierter Drogenkonsum

Was bedeutet „Kontrollierter Drogenkonsum“?

„Selbstkontrollierter Drogenkonsum“ – kurz „Kontrollierter Drogenkonsum“ – bedeutet, dass man seinen Drogenkonsum an eigenen Regeln bzw. einem Plan ausrichtet. Dazu gehören vor allem Regeln zur Begrenzung der Konsummenge (Maximalkonsum pro Tag und Woche sowie Anzahl konsumfreier Tage), aber auch Regeln in Bezug auf Uhrzeit, Ort, Umgebung und anwesende Personen beim Konsum. Menschen, die selbstkontrolliert Drogen konsumieren, begrenzen also die Konsummenge wie auch die Konsumzeiten, -orte und -umstände.

Praktisch betrachtet, legt die konsumierende Person (sie selbst!) beim Kontrollierten Drogenkonsum jeweils für eine Woche fest, wie viel der jeweiligen Droge sie maximal pro Tag und pro Woche konsumieren und an wie vielen Tagen sie ganz darauf verzichten möchte (konsumfreie Tage). In einem Konsumtagebuch trägt sie dann täglich ein, wieviel sie tatsächlich konsumiert hat und überprüft nach einer Woche, wie gut die Umsetzung geklappt hat – um aus den Umsetzungserfahrungen zu lernen und danach einen neuen Plan für die Folgewoche festzulegen. Das ist der „rote Faden“ beim Kontrollierten Drogenkonsum. Weitere Inhalte beim Erlernen des Kontrollierten Drogenkonsum finden Sie hier

Um Menschen, die Abstinenz von (allen) Drogen nicht schaffen oder nicht anstreben, professionell zu unterstützen, haben wir 2005 das Konsumreduktionsprogramm „KISS – Kompetenz im selbstbestimmten Substanzkonsum“ entwickelt und seitdem mehrfach optimiert. Hier finden Sie nähere Informationen dazu.


Kann Kontrollierter Drogenkonsum gelingen?

Die vorliegenden Forschungsergebnisse besagen, dass ein selbstkontrollierter Drogenkonsum prinzipiell möglich ist – auch Drogenabhängigen. Dies belegt nicht nur eine Kontrollgruppenstudie mit Frankfurter Drogenabhängigen (Körkel, Becker, Happel & Lipsmeier, 2011 ), sondern eine Vielzahl internationaler Forschungsstudien (Körkel & Verthein, 2010). Diese Studien beinhalten die folgenden Kernaussagen:

  • Gemäß den Berechnungen von Schippers und Cramer (2002) konsumieren 1 bis 2 Promille der Allgemeinbevölkerung Heroin oder Kokain risikobewusst, d.h. in medizinisch nicht bedenklicher Menge sowie sozial unauffällig.
  • Ein Teil der Drogenabhängigen wächst ohne professionelle Hilfen aus der Sucht heraus und nimmt einen gemäßigten, beruflich, privat und gesundheitlich unproblematischen Konsum auf (vgl. Klingemann & Sobell, 2007).
  • Manche Heroin-/Kokainabhängigen gehen nach abstinenzorientierter Drogentherapie (z.B. Substitutionsbehandlung oder stationärer Langzeittherapie) zu einem gemäßigten Konsum über. Meili, Dober und Eyal (2004) schätzen diesen Anteil auf ca. 22% und folgern, dass „der kontrollierte Konsum harter Drogen, auch bei längerer Abhängigkeit, vermutlich ebenso häufig [ist] wie die Abstinenz nach Abhängigkeit“ (S. 5).

Zu beachten ist: Diese Ergebnisse bedeuten nicht, dass ein kontrollierter Umgang mit Drogen allen Drogenkonsumierenden gelingen würde, und sie besagen auch nicht, dass ein kontrollierter Konsum wünschbarer wäre als ein drogenfreies Leben. Das Ziel, das jemand anstreben möchte, sollte deshalb gut bedacht sein und man sollte sich innerlich offenhalten, zu einem anderen Ziel zu wechseln, falls sich das ursprünglich angestrebte als nicht erreichbar erweist.


Das Programm „KISS – Kompetenz im selbstbestimmten Substanzkonsum“

Ziel von KISS

KISS ist ein Konsumreduktionsprogramm für Menschen, die vollständige und lebenslange Abstinenz von all den Substanzen, die sie gegenwärtig einnehmen, nicht vorstellen oder derzeit nicht erreichen können.

Aufbau von KISS

KISS besteht aus zwei vorgeschalteten Einzelsitzungen sowie 12 wöchentlichen, strukturierten Einzel- oder Gruppensitzungen, die sich über eine Zeitspanne von 3½ – 4 Monaten erstrecken und von einer oder zwei Fachkräften durchgeführt werden (eine Liste von KISS-Fachkräften in Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie hier). Jede Sitzung folgt einem strukturierten Ablauf und hat einen Zeitumfang von 1 Stunde (Einzelprogramm) bzw. 2¼ Stunden (Gruppenprogramm).

Als Grundlage zur Durchführung jeder Einheit dient ein Durchführungsmanual für die Fachkräfte sowie ein Handbuch für die Teilnehmenden.

Didaktisch wird im KISS-Programm mit Visualisierungen (Flipcharts, Informationsbögen etc.) und aktivierenden Methoden (Partner- und Kleingruppenübungen, Rollenspielen, Bearbeitung von Arbeitsblättern u.a.m.) gearbeitet. Nachbereitungsaufgaben von einer zur nächsten Sitzung sollen die Umsetzung des Erarbeiteten im Alltag fördern.

KISS-Einzel- und Gruppenprogramm

Der Vorteil der KISS-Einzelbehandlung liegt darin, dass ein unmittelbarer Beginn möglich ist, falls vor Ort kein Gruppenangebot zur Verfügung steht oder persönliche Gründe gegen eine Gruppenteilnahme sprechen (z.B. Schwierigkeit, die wöchentlichen Gruppentermine regelmäßig wahrzunehmen; Bedarf einer intensiveren Einzelbetreuung; Wunsch nach Anonymität). Zudem kann in einer Einzelbehandlung die Dauer dem individuellen Veränderungsverlauf angepasst werden (z.B. Ausweitung auf mehr als 12 Sitzungen). Die Behandlung in einer Gruppe hat den Vorteil, dass die Teilnehmenden voneinander lernen und sich gegenseitig aktiv und emotional unterstützen können – auch außerhalb der Gruppentermine und durch Gründung einer Selbsthilfegruppe nach Ende des Gruppenprogramms.

Inhalte von KISS

Der KISS-Einzel- und Gruppenbehandlung liegen 12 Themenbereiche zugrunde, von denen pro Sitzung 1 Bereich bearbeitet wird:

  • Führen eines Konsumtagebuchs, um einen Überblick über das eigene Konsumverhalten zu erlangen
  • Aneignung wichtiger Informationen zum Thema „Drogen“ (z.B. Wirkung von Mischkonsum verschiedener Substanzen)
  • Abwägung der positiven und negativen Seiten des Substanzkonsums
  • Bilanzierung des gegenwärtigen Konsums, um den Ausgangskonsum genau zu kennen und davon ausgehend realistische Ziele für die Folgezeit ableiten zu können
  • Wochenweises Festlegen von Konsumgrenzen (Maximalkonsum pro Tag und Woche, Anzahl konsumfreier Tage)
  • Auswahl individuell passgenauer Reduktionstrategien (z.B. „kein Konsum mit Person x“, „Konsum erst nach Ausbildungs-/Arbeitsende“ etc.)
  • Erkennen und Bewältigen von Risikosituationen (z.B. Zusammensein mit anderen KonsumentInnen, Enttäuschungen, Langeweile etc.)
  • Mit „Ausrutschern“ umgehen lernen und daraus keine Katastrophe machen
  • Aktivierung von Formen der Freizeitgestaltung ohne Drogen
  • Erkennen und bewältigen von Belastungen (wie Einsamkeit, Beziehungskonflikte, depressive Stimmungszustände, Ängste etc.)
  • Soziale Kompetenzen (u.a. „Nein-Sagen“)
  • Stabilisierung und Weiterführung der erreichten Veränderungen

Wirksamkeit von KISS

In einer wissenschaftlichen Studie mit Zufallszuweisung der teilnehmenden (Frankfurter) Drogenabhängigen zu einer von 10 KISS-Gruppen bzw. einer der 10 Warte-Kontrollgruppen wurde KISS auf seine Wirksamkeit geprüft (Randomized Controlled Trial; Körkel, Becker, Happel & Lipsmeier, 2011)

Im Vorher-Nachher-Vergleich war die Wirksamkeit von KISS in allen substanzübergreifenden Erfolgsindikatoren statistisch abzusichern: Reduktion des Gesamtkonsums um 30%, Anstieg der konsumfreien Tage um 19%, Minderung der Konsumausgaben um 244 Euro/Monat, Reduktion der DSM-IV-Abhängigkeitsdiagnosen um 31%, Reduktion zwischenzeitlicher Entgiftungsbehandlungen. Die Stabilität dieser Effekte konnte für einen Nacherhebungszeitraum von 6 Monaten nach Ende des KISS-Programms belegt werden.

Schulung für Fachkräfte

Der Fortbildungsträger GK Quest Akademie (Heidelberg) führt für Fachkräfte, die an einer Ausbildung in den Behandlungsansätzen zum Kontrollierten Drogenkonsum interessiert sind, 6-tägige Schulungen durch. Die teilnehmenden Fachkräfte erlernen die Umsetzung des Behandlungsprogramms KISS im Einzel- und Gruppenkontext. Grundlage der Ausbildung und späteren Umsetzung von KISS ist ein strukturiertes Behandlungsmanual, das alle Unterlagen zur Durchführung der Einzel- und Gruppenbehandlung zum Kontrollierten Drogenkonsum enthält.

 

Ausbildung "Kompetenz im Selbstbestimmten Substanzkonsum - KISS" (GK Quest Akademie)

Veröffentlichungen zu Kontrolliertem Drogenkonsum

Veröffentlichungen anzeigen

Happel, V., Körkel, J., Becker, G. & Lipsmeier, G. (2014). Erfolgreiche Konsumreduktion bei Drogenabhängigen: Ein Pyrrhussieg? Eine empirische Überprüfung der Suchtverlagerungshypothese. Suchttherapie, 15, 187–190.


Körkel, J. (2012). Wege aus der Sucht – Suchtarbeit, Abstinenz und selbstkontrollierter Konsum. In S.B. Gahleitner & G. Hahn (Hrsg.), Übergänge gestalten – Lebenskrisen begleiten (Klinische Sozialarbeit – Beiträge zur psychosozialen Praxis und Forschung 4) (S. 261 – 276). Bonn: Psychiatrie Verlag.


Körkel, J., Becker, G., Happel, V. & Lipsmeier, G. (2011). Selbstkontrollierte Reduktion des Drogenkonsums: Eine randomisierte kontrollierte klinische Studie in der niedrigschwelligen Drogenhilfe. Frankfurt a. M.: Abschlussbericht für das Drogenreferat der Stadt Frankfurt a.M.


Körkel, J., Lipsmeier, G., Becker, G. & Happel, V. (2011). Multipler Substanzkonsum bei Drogenabhängigen: Bestandsaufnahme – Behandlungsimplikationen. Sucht aktuell, 18, 49-54.


Körkel, J. (2010). Empowerment Drogenabhängiger: Grundlagen, Aufbau und Wirksamkeit des Konsumreduktionsprogramms „KISS“. Forum Sozialarbeit + Gesundheit, 28-31.


Körkel, J. & Verthein, U. (2010). Kontrollierter Konsum von Opiaten und Kokain. Suchttherapie, 11, 31-34.


Becker, G., Körkel, J., Happel, V. & Lipsmeier, G. (2009). Reduktion des Drogenkonsums durch Selbstkontrolltraining: Die Wirksamkeit des Programms „KISS“ – ein Randomized Controlled Trial. Suchttherapie, 10, S44-S45.


Happel, H.-V., Becker, G. & Körkel, J. (2009). Angewandte Methoden und Programme: Verhaltensorientiertes Selbstmanagementprogramm „Kontrolle im selbstbestimmten Substanzkonsum (KISS)“. In R. Gerlach & H. Stöver (Hrsg.), Psychosoziale Unterstützung in der Substitutionsbehandlung (S. 175-180). Freiburg: Lambertus.


Körkel, J. (2009). Befähigung zum selbstkontrollierten Drogenkonsum. Das Programm „KISS“. Konturen, 8-13.


Klingemann, H. & Sobell, L. (Eds.) (2007). Promoting self-change from addictive behaviors. Practical implications for policy, prevention, and treatment. New York: Springer Science and Business Media.


Meili, D., Dober, S. & Eyal, E. (2004). Jenseits des Abstinenzparadigmas – Ziele in der Suchttherapie. Suchttherapie, 5, 2-9.


Schippers, G.M. & Cramer, E. (2002). Kontrollierter Gebrauch von Heroin und Kokain. Suchttherapie, 3, 71-80.


Körkel, J. (1999). Rückfälle Drogenabhängiger: Eine Übersicht. Abhängigkeiten, 5, 24-45.


Körkel, J. (1999). Welche Ziele sind in der Behandlung von i.v.-Drogenabhängigen ethisch vertretbar? In Bellmann, G.U., Jellinek, Ch. & Westermann, B. (Hrsg.), Mehr als abhängig? Versuche mit Methadon und Heroin (S. 188-207). Weinheim: Deutscher Studien Verlag.